Stopover und Open Jaw: zwei Reisen aus einer Prämienbuchung holen
Die meisten Prämienbuchungen sehen aus wie eine Linie: Hinflug, Ziel, Rückflug. Dabei lassen viele Vielfliegerprogramme deutlich mehr zu. Mit einem Stopover baust du einen zweiten Aufenthalt in dieselbe Buchung ein, mit einem Open Jaw fliegst du in eine Stadt und aus einer anderen wieder zurück. Richtig kombiniert wird aus einem Award faktisch zwei Reisen. Der Haken: Die Regeln unterscheiden sich von Programm zu Programm stark, und wer stattdessen mit getrennten Tickets bastelt, übernimmt selbst das volle Verspätungsrisiko. Schauen wir uns an, was sich lohnt und was du vorher rechnen solltest.
Die drei Bausteine: Stopover, Open Jaw, Multi-City
Ein Stopover ist ein Zwischenstopp von mehr als 24 Stunden auf dem Weg zum eigentlichen Ziel. Steigst du in Doha um und fliegst nach vier Stunden weiter, ist das ein normaler Umstieg (Layover). Bleibst du drei Tage und sieht das Programm das als Stopover, hast du de facto zwei Ziele in einer Buchung. Ein Open Jaw ist eine „offene Klammer“: Du fliegst zum Beispiel nach Tokio, reist auf eigene Faust per Zug nach Osaka weiter und fliegst von dort zurück. Die Lücke zwischen Ankunfts- und Abflugort überbrückst du selbst. Multi-City schließlich ist die manuelle Variante: Du baust die Strecke aus mehreren Segmenten Stadt für Stadt zusammen, statt eine fertige Hin-/Rückverbindung zu wählen. In der Praxis kombinierst du diese Bausteine. Klassisch ist der Open Jaw plus Stopover: ein Zwischenstopp auf dem Hinweg und unterschiedliche Ankunfts- und Rückflugstädte am Ziel.
Warum das den Wert deiner Meilen erhöht
Der Reiz liegt im Preis pro erlebter Stadt. Wenn ein Stopover deine Buchung gar nicht oder nur wenig verteuert, sinken die Meilen pro Ziel deutlich. Beispiel mit der Mechanik von Air Canada Aeroplan (Stand 2025, kann sich ändern): Dort kostet ein Stopover auf einem internationalen Award pauschal 5.000 Punkte zusätzlich, erlaubt sind bis zu 45 Tage Aufenthalt. Ein Award von Frankfurt nach Bangkok mit drei Tagen Stopover in Istanbul kostet so nur 5.000 Punkte mehr als der Direktweg, gibt dir aber zwei Städte. Bei Programmen, die den Stopover gratis gewähren, ist der Effekt noch größer. Entscheidend ist immer die Rechnung: Was kostet derselbe Trip ohne Stopover, und was zahlst du für den Zweitstopp drauf an Punkten, Steuern und Gebühren? Erst diese Differenz sagt dir, ob sich der Umweg lohnt. Unsere Übersicht der Transferpartner findest du unter Programme, Rechenhilfen unter Tools.
Welche Programme Stopover erlauben
Die Regeln sind kein Standard, sondern Programmlogik. Drei typische Modelle (alle Stand 2025, Bedingungen können sich ändern, vor Buchung prüfen): Air Canada Aeroplan erlaubt einen Stopover pro Richtung gegen 5.000 Punkte pauschal, auch auf One-Way-Awards, nicht jedoch innerhalb von Kanada und den USA. ANA Mileage Club gewährt auf Rundflug-Awards traditionell einen kostenlosen Stopover plus Open Jaw, wenn die Reise außerhalb Japans beginnt; allerdings hat ANA seine Award-Regeln Mitte 2025 umgebaut, unter anderem mit Einführung von One-Way-Partner-Awards und dem Ende der Round-the-World-Tickets. Wer hier plant, sollte die aktuellen Bedingungen genau lesen. Programme im Stil von Alaska Mileage Plan sind dafür bekannt, je Partnerairline einen Stopover auch auf One-Ways zuzulassen. Wichtig für DACH: Direkt aus Amex Membership Rewards erreichst du in Deutschland weder Aeroplan noch ANA direkt; Avios-Buchungen sind aber über den Transfer zu British Airways, Iberia oder Qatar (5:4) zugänglich, und Avios-Programme haben eigene, oft restriktivere Stopover-Regeln. Plane die Punktebeschaffung also rückwärts vom gewünschten Programm aus.
Das Trennticket-Risiko: wo es teuer wird
Erlaubt ein Programm keinen Stopover, behelfen sich viele mit zwei separaten Buchungen: ein Award bis zur Zwischenstadt, ein zweiter weiter zum Ziel. Das funktioniert, verlagert aber das gesamte Risiko auf dich. Verpasst du wegen einer Verspätung im ersten Ticket den Abflug des zweiten, gibt es keine Schutzklausel über die Tickets hinweg. Die zweite Airline sieht nur einen verpassten Flug und ist nicht verpflichtet, dich kostenlos umzubuchen. Bei einer durchgehenden Buchung haftet die Airline dagegen für die Anschlusskette. Hinzu kommt der Verbraucherschutz: EU 261/2004 greift bei Verspätung und Annullierung mit Ausgleichszahlungen bis 600 Euro; auf Langstrecken über 3.500 km können es bei drei bis vier Stunden Verspätung 300 Euro sein (Artikel 7(2), 50-Prozent-Kürzung). Diese Ansprüche beziehen sich aber auf den jeweiligen Flug oder die durchgehende Buchung, nicht auf deine selbst gebaute Trenntickets-Kette. Wer trennt, sollte deshalb großzügige Pufferzeiten einplanen, möglichst auf einem Flughafen und Gepäck im Blick behalten.
So planst du Schritt für Schritt
- Ziel-Programm zuerst wählen: Welches Programm erlaubt für deine Route Stopover oder Open Jaw zu welchem Aufpreis? Danach richtet sich, wohin du Punkte transferierst.
- Routing testen: Nutze die Multi-City-Suche des Programms und probiere Stopover-Stadt sowie unterschiedliche Rückflughäfen (Open Jaw) durch.
- Differenz rechnen: Mehrkosten an Punkten plus Steuern und Gebühren gegen den Direktweg stellen, dann durch die Zahl der erreichten Städte teilen.
- Trennticket nur mit Puffer: Wenn kein echter Stopover möglich ist, mindestens einen ganzen Tag Reserve und eine eigene Rückfalloption einplanen.
- Regeln dokumentieren: Screenshot der Tarifbedingungen sichern, da Programme ihre Stopover-Politik ohne Vorwarnung anpassen.
Unterm Strich ist Stopover-und-Open-Jaw kein Geheimtrick, sondern saubere Planung. Wer das Ziel-Programm zuerst auswählt, die Mehrkosten ehrlich gegenrechnet und das Trennticket-Risiko nüchtern bewertet, holt aus einer einzigen Prämienbuchung regelmäßig eine zweite Stadt heraus. Rechne selbst, lande besser.
Quellen (Stand September 2025, Programmbedingungen können sich ändern):
- Air Canada Aeroplan – Einlösen / Redeem
- ANA Mileage Club – International Flight Awards
- Verordnung (EG) Nr. 261/2004 (Fluggastrechte)