Air Canada Aeroplan: der flexible Star-Alliance-Award-Chart
Aeroplan ist das Vielfliegerprogramm von Air Canada und einer der vielseitigsten Wege, Star-Alliance-Flüge mit Punkten zu buchen. Der Reiz liegt in drei Dingen: eine distanzbasierte Award-Tabelle, eine ungewöhnlich großzügige Stopover-Regel und die Tatsache, dass Aeroplan auf den meisten Partnern keine Treibstoffzuschläge durchreicht. Für DACH-Reisende gibt es allerdings einen Haken beim Sammeln – und seit 2025 auch eine Schwäche, die man kennen muss. Dieser Guide ordnet ein, ohne zu beschönigen. Stand 30. September 2025, Konditionen können sich ändern.
Wie der Award-Chart funktioniert
Aeroplan teilt die Welt in vier Zonen ein: Nordamerika, Südamerika, Atlantik und Pazifik. Der Preis eines Award-Fluges richtet sich nach der tatsächlich geflogenen Distanz zwischen Start und Ziel und nach der Zonen-Kombination. Innerhalb einer Zone und über Zonengrenzen hinweg gibt es Distanzbänder – je weiter, desto mehr Punkte. Das Prinzip ist transparent: Man kann vor der Buchung selbst nachrechnen, was eine Strecke kosten sollte. Für die meisten Star-Alliance-Partner – etwa Lufthansa, SWISS, Austrian, TAP oder Brussels Airlines – gelten weiterhin feste, distanzbasierte Preise. Nordamerika–Europa in Economy beginnt bei rund 35.000 Punkten, Business ab etwa 60.000 Punkten pro Strecke (Stand 2025, kann sich ändern). Wichtig: Air Canada selbst und sieben „Select Partner“ werden dagegen dynamisch bepreist – dazu unten mehr.
Die zwei großen Stärken: Stopover und keine Zuschläge
Zwei Regeln machen Aeroplan für planvolle Reisende attraktiv. Erstens der Stopover: Auf einer One-Way-Buchung lässt sich ein Stopover (mehr als 24 Stunden Aufenthalt) für nur 5.000 zusätzliche Punkte einbauen. Aus einem Flug nach Asien wird so ein Zwei-Städte-Trip mit Zwischenstopp etwa in Istanbul oder Singapur – gegen einen sehr geringen Aufpreis. Zweitens reicht Aeroplan auf den meisten Partnern keine Treibstoffzuschläge durch. Das ist ein echter Unterschied: Wer dieselbe Lufthansa- oder SWISS-Maschine über deren eigenes Programm bucht, zahlt teils hohe Zuschläge; über Aeroplan fallen in der Regel nur Steuern, Gebühren und eine Partnergebühr von rund 39 CAD an. Das macht europäische Premium-Airlines mit ihrem sonst zuschlagsstarken Metall plötzlich bezahlbar.
Sweet Spots für Europa-Reisende
Aeroplan glänzt dort, wo zuschlagsstarke Airlines auf gute Verfügbarkeit treffen. Die folgenden Konstellationen sind für DACH-Reisende besonders interessant (Stand 2025, Preise und Verfügbarkeit ändern sich):
- Langstrecke in Business auf europäischem Metall: Lufthansa, SWISS oder Austrian nach Nordamerika ab ca. 60.000 Punkten je Strecke – ohne die sonst üblichen hohen Zuschläge.
- Turkish Airlines via Istanbul: gute Verfügbarkeit, keine nennenswerten Zuschläge, ideal für Asien- und Afrika-Ziele mit eingebautem Stopover für 5.000 Punkte.
- EVA Air und Singapore Airlines nach Asien: Premium-Kabinen, die über andere Programme schwer oder zuschlagsreich buchbar sind.
- Innereuropäische Kurzstrecke auf Star-Alliance-Partnern als günstige Zubringer – distanzbasiert und damit kalkulierbar.
- Multi-City-Tickets: Distanzlogik plus Stopover erlaubt clevere Routings über zwei Kontinente auf einem Award.
Sammeln aus dem DACH-Raum – der ehrliche Teil
Hier wird es für Deutschland, Österreich und die Schweiz unbequem. Einen direkten Amex-Membership-Rewards-Transfer zu Aeroplan gibt es im DACH-Raum nicht (Stand 2026). Auch die in Nordamerika üblichen Aeroplan-Kreditkarten und Transfergeber wie Chase oder Capital One stehen hier praktisch nicht zur Verfügung. Der realistische Weg führt über zwei Kanäle: erstens Marriott Bonvoy, das im Verhältnis 3:1 zu Aeroplan transferiert (mit einem Bonus von 5.000 Meilen je 60.000 übertragener Bonvoy-Punkte). Zweitens das direkte Sammeln durch Partnerflüge in der Star Alliance, deren Meilen man Aeroplan gutschreiben lässt. Wer Aeroplan aus dem DACH-Raum füttern will, sollte Bonvoy als Hub einplanen statt auf eine direkte Amex-Brücke zu hoffen.
Status, Buchung und die Schwächen
Aeroplan kennt fünf Statusstufen: 25K, 35K, 50K, 75K und Super Elite, qualifiziert über Status Qualifying Credits. Für Gelegenheits- und Award-Reisende aus dem DACH-Raum ist Status meist zweitrangig – der Nutzen liegt im Einlösen, nicht im Vielfliegen mit Air Canada. Gebucht wird komfortabel online über aircanada.com; viele Partnerflüge sind dort direkt sicht- und buchbar, was Aeroplan von vielen Programmen positiv abhebt. Die ehrlichen Schwächen: Seit dem 25. März 2025 sind sieben „Select Partner“ – United, Emirates, Etihad, flydubai sowie drei kanadische Regionalairlines – dynamisch bepreist; gerade United-Awards sind dadurch oft deutlich teurer als früher und der „ab“-Preis aus dem Chart wird selten erreicht. Air-Canada-eigene Flüge werden ebenfalls dynamisch und mit eigenen Zuschlägen bepreist. Und das Sammeln aus dem DACH-Raum bleibt umständlich. Aeroplan ist stark beim Einlösen auf den klassischen distanzbasierten Partnern – als alleinige Sammelwährung in Mitteleuropa ist es weniger geeignet.
Quellen (Stand September 2025, Konditionen können sich ändern):
- Air Canada – Offizieller Flight Reward Chart (PDF)
- AwardWallet – Aeroplan Dynamic Partner Award Pricing (März 2025)
- Prince of Travel – The Essential Guide to Aeroplan