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ANA Mileage Club: niedrige Zuschläge, ein verlorenes Geheimnis und der echte DACH-Weg

3. Juni 2026 · 7 Min. · von Marco

Wer sich länger mit Vielfliegerprogrammen beschäftigt, stößt früher oder später auf eine Legende: das Round-the-World-Award von ANA Mileage Club, mit dem man für überschaubare Meilen einmal um die Welt fliegen konnte. Das Programm der japanischen All Nippon Airways stand für eine zonenbasierte Award-Tabelle, faire Preise in First und Business und auf vielen Partnern erstaunlich niedrige Zuschläge. Die schlechte Nachricht vorweg: Das RTW-Geheimnis ist im Juni 2025 verschwunden. Die gute: Einiges am Reiz bleibt – wenn man die Hürden für den DACH-Raum nüchtern einkalkuliert. Stand der Konditionen: August 2025, kann sich ändern.

Was ANA Mileage Club eigentlich ist

ANA Mileage Club ist das Vielfliegerprogramm von All Nippon Airways, Japans größter Fluggesellschaft und Mitglied der Star Alliance. Das macht es interessant: Mit ANA-Meilen lassen sich nicht nur ANA-Flüge buchen, sondern Awards quer durch die Allianz – von Lufthansa und SWISS über United bis Singapore Airlines, Air Canada und SAS. Der Ruf von ANA gründet auf drei Dingen: einer festen, zonenbasierten Award-Tabelle statt Wucherpreisen nach Tageslaune, vergleichsweise günstigen Premium-Awards und – auf den richtigen Partnern – sehr niedrigen Treibstoffzuschlägen. Genau diese Kombination machte ANA über Jahre zum Geheimtipp für alle, die in Business oder First reisen wollten, ohne ein Vermögen an Meilen zu verbrennen.

Das Round-the-World-Geheimnis – und warum es vorbei ist

Der größte Mythos zuerst, weil hier viele veraltete Anleitungen kursieren: Das Star-Alliance-Round-the-World-Award per ANA-Meilen ist für Neubuchungen abgeschafft. ANA hat die Ausstellung neuer RTW-Tickets zum 24. Juni 2025 eingestellt (letztes Buchungsdatum: 23. Juni 2025). Bereits ausgestellte RTW-Tickets bleiben bis zu ihrem Ablaufdatum gültig, inklusive zulässiger Änderungen – neue lassen sich aber nicht mehr buchen (Stand August 2025). Damit fällt das berühmteste Sweet-Spot-Konstrukt weg, mit dem man eine komplette Weltumrundung mit mehreren Stopps in Business für rund 115.000 bis 145.000 Meilen abbilden konnte. Wer also eine alte Anleitung zum „ANA RTW per Meilen“ liest, sollte sie schließen: Sie beschreibt ein Produkt, das es so nicht mehr gibt.

Im selben Zug hat ANA das Programm umgebaut. Seit 24. Juni 2025 sind Einweg-Awards (One-Way) auf ANA und Partnern buchbar – grob zum halben Preis eines Hin- und Rückflugs, was die Flexibilität deutlich erhöht. Gleichzeitig gab es eine spürbare Abwertung: Premium-Awards, vor allem Business und First auf vielen Strecken, wurden teurer. ANA bleibt eine feste (nicht dynamische) Tabelle, aber der Preisvorteil ist kleiner geworden.

Award-Logik: zonenbasiert, und ein wichtiges Detail zur Saison

Hier räumen wir mit einem verbreiteten Missverständnis auf. Bei ANA gibt es zwei verschiedene Tabellen. Die Tabelle für ANA-eigene internationale Flüge ist saisonal gestaffelt – mit High, Regular und Low Season, was die Meilenkosten je nach Reisezeitraum verändert. Die Tabelle für Partner-Awards (also Lufthansa, United, Singapore und Co.) ist dagegen rein zonenbasiert und kennt keine Saisonstaffelung: Der Meilenpreis hängt nur von den beteiligten Regionen ab, nicht vom Datum. Für DACH-Sammler, die ohnehin meist auf Partnern unterwegs sind, ist das die relevantere Tabelle – und immerhin planbar, weil datumsunabhängig.

Der zweite Punkt betrifft die viel gelobten „niedrigen Zuschläge“. Das stimmt – aber nur partnerabhängig. ANA selbst und die Lufthansa-Group-Carrier (Lufthansa, SWISS, Austrian) reichen hohe Treibstoffzuschläge durch; ausgerechnet die für DACH naheliegendsten Airlines sind also teuer in den Nebenkosten. Niedrige oder gar keine nennenswerten Zuschläge gibt es dagegen typischerweise auf United, Air Canada, Avianca, Copa, SAS, Singapore Airlines, Air New Zealand und TAP. Die Faustregel lautet: Award mit ANA-Meilen ja – aber Metall klug wählen.

Die echte DACH-Hürde: An ANA-Meilen zu kommen ist schwer

Hier wird es für Sammler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz unbequem – und hier kursieren ebenfalls falsche Tipps. In den USA ist ANA ein Transferpartner von American Express Membership Rewards (1:1). Im deutschen Amex-Membership-Rewards-Programm taucht ANA nicht in der Partnerliste auf. Ein direkter Amex-Transfer auf ANA Mileage Club ist aus DACH heraus also nicht möglich. Auch der oft gelesene Tipp „Meilen einfach kaufen“ funktioniert bei ANA nicht: ANA-Meilen sind nicht käuflich, nicht übertragbar und haben keinen Barwert.

Was bleibt realistisch? Der praktikabelste Weg für DACH führt über Marriott Bonvoy: Bonvoy-Punkte lassen sich zu ANA übertragen, im Verhältnis 3:1, und ANA gewährt 5.000 Bonusmeilen je 60.000 übertragene Punkte – aus 60.000 Bonvoy werden so 25.000 ANA-Meilen. Der Transfer dauert allerdings rund zwei Wochen, was spontane Buchungen ausschließt. Daneben sammelt man klassisch durch eigene Flüge auf ANA und Star-Alliance-Partnern. Wer in DACH wohnt und Premium-Awards plant, sollte vorher kühl rechnen, ob der Umweg über Bonvoy und die Wartezeit den Aufwand gegenüber direkter erreichbaren Programmen wert ist. Vergleiche dazu helfen unsere Tools und der Überblick unter Programme.

Kernrat: Das RTW-Geheimnis von ANA ist seit 24. Juni 2025 für Neubuchungen tot – ignoriere alte Anleitungen. Was bleibt, sind solide Partner-Awards mit niedrigen Zuschlägen, aber nur auf den richtigen Airlines (United, Air Canada, SAS, Singapore – nicht Lufthansa/SWISS). Größte DACH-Hürde: Kein Amex-Transfer aus Deutschland und kein Meilenkauf; der realistische Weg läuft über Marriott Bonvoy (3:1, +5.000 Meilen je 60.000 Punkte, rund zwei Wochen Dauer). Stand August 2025, kann sich ändern. Keine Rechts- oder Finanzberatung.

Lohnt sich ANA Mileage Club für DACH noch?

Ehrliche Antwort: für die meisten Einsteiger eher nicht als Erstprogramm. Mit dem Wegfall des RTW-Awards und der Abwertung 2025 ist der spektakulärste Grund für ANA verschwunden, und die schwierige Meilenbeschaffung aus DACH kostet Zeit und Wechselkurs-Reibung. Für Fortgeschrittene mit großem Marriott-Bonvoy-Bestand bleibt ANA aber ein nützliches Werkzeug: feste, zonenbasierte Partner-Tabelle, planbar ohne Saisonzuschlag, und auf den richtigen Partnern weiterhin günstige Nebenkosten in Business und First. Der nüchterne Schluss passt zur AwardLevel-Devise: Rechne selbst. Prüfe konkret, wie viele Meilen deine Wunschstrecke auf einem zuschlagsarmen Partner kostet, was dich der Weg über Bonvoy effektiv kostet – und vergleiche das mit Alternativen, bevor du Punkte bewegst. Tiefergehende Vergleiche findest du in unseren Analysen.

  • ANA Mileage Club – Partner Flight Awards (offizielle Programmseite)
  • LoyaltyLobby: ANA Mileage Club Devaluation & Round-the-World-Awards eingestellt ab 24. Juni 2025
  • ANA Mileage Club – Marriott Bonvoy Punkte einlösen (offizielle Seite)
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